Im zweiten Teil des MJOS-Blogs zum Thema Maststellen wollen wir uns mit dem Riggtrimm beschäftigen. Nachdem wir in der letzten Woche ein paar Tipps und Tricks zum einfacheren Maststellen verraten haben, dreht sich heute alles um die Frage: 

Wie trimme ich meinen Mast für die Saison?

Heute wollen wir uns also mit den Standards des Riggtrimms beschäftigen. Egal ob Racer oder Cruiser. Mit diesen 5 Handgriffen steht das Rigg im nu wie eine Eins.

1)

Vorbereitung ist das halbe Leben: Auch beim Trimm gilt es darauf zu achten, das passende Werkzeug vorliegen zu haben. Hier sei an den alten Spruch „Wer billig kauft, kauft doppelt“ erinnert. Nichts ärgert mehr als verbogene Schraubenschlüssel oder beschädigtes Niro durch minderwertiges Werkzeug. Ist gerade kein besserer Schlüssel zur Hand lohnt es sich, die Reibeflächen mit Textilklebeband (kein Greytape!) abzukleben um die Spanner gegen Abrieb zu schützen.

2)

Daten erheben und notieren: Was wie ein Tipp aus dem Statistik-Tutorium daher kommt erleichtert den Saisonstart ungemein. Das Rigg stand letztes Jahr doch gut, aber wie viele Umdrehungen waren das jetzt noch gleich? Deshalb lohnt es sich, die Riggeinstellungen zu messen und aufzuschreiben. Hierfür eignen sich neben teuren Wantenspannungsmessgeräten (tolles Wort) auch einfache, aber nicht minder effektive Mittel wie das Zählen von Umdrehungen auf dem Wantenspanner, oder aber das Messen von Abständen zwischen den Toggles im Wantenspanner.

3)

Und wo wir grade schon beim Thema Wantenspannung sind: Steht das Rigg im Schiff muss die Spannung in der Regel per Hand ins Rigg geschraubt werden. Das kann mit unter ganz schön kräftezehrend sein. Kleiner Tipp für Partialriggs: Ziehen Sie zum spannen der Oberwanten das Achterstag dicht. Das Masttop wandert nach achtern, der Mast biegt sich und die Oberwanten verlieren an Vorspannung. Als Folge lassen sich die Oberwanten deutlich leichter spannen.

4)

Ist die Grundspannung im Rigg hergestellt, lohnt ein erster Blick von achtern in die Mastnut. Auf diesem Weg können Sie peilen, ob der Mast in sich gerade im Schiff steht. Je nach Riggtyp ist der Weg zu einem geraden Mast mehr oder weniger aufwändig. Als Faustregel gilt hier jedoch für alle gleich: Erst die Oberwanten, dann die Unterwanten einstellen, denn: Die Oberwanten bringen Spannung ins Rigg, die Unterwanten kontrollieren die Querbiegen. Für mehr Hintergründe zu diesem Thema kontaktieren Sie uns gern!

5)

Doch auch das beste Auge sieht manchmal nicht alles. Darum gibt es noch zwei weitere Methoden, um den Riggtrimm zu überprüfen. Zum einen eignet sich das Großfall als Peil-Lot. Hierfür befestigen Sie das Großfall am Lümmelbeschlag und setzen es ordentlich durch. Wenn Sie nun die Mastnut entlang gen Masttop peilen haben Sie mit dem durchgesetzen Großfall einen Referenzpunkt und können den Trimm entsprechend über Ober- und Unterwanten anpassen. Damit dies funktioniert sollte es allerdings nahezu windstill sein, damit das Großfall nicht schlägt.Des weiteren können Sie per Fockfall überprüfen, ob der Mast gerade im Boot steht. Hierfür spannen Sie das Fockfall auf einen Punkt an der Fussreling auf dem Vorschiff ab und überprüfen die Spannung des Fockfalls auf beiden Bügen. Steht der Mast gerade im Schiff, so ist die Spannung am Fockfall auf beiden Seiten identisch. Steht der Mast schief, variiert der Abstand zwischen Fockfallschäkel und Fussleiste zwischen den beiden Messpunkten.

Ihr Martin Jannsen – MJOS Segelmacher auf Fehmarn