Liebe Leser und MJOS-Freunde, liebe Segler.

Wir halten es zwar kaum für möglich, aber der Sommer weicht just in diesen Tagen unweigerlich dem Herbst. Es wird kühler, die Tage werden kürzer und in der vorletzten Woche ist bereits der erste Herbststurm über die Deutschen Küsten hinweggezogen. Die Saison nähert sich dem Ende, Schluss ist aber noch nicht. Wie ihr auch bei mehr Wind schnell und sicher segelt, darum geht es im heutigen Blog.

Spannung ist alles.

Was für Regattasegler eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, wird im Tourenbereich häufig vernachlässigt: Die passende Riggspannung. Und damit meinen wir jetzt nicht, dass ihr vor jedem erholsamen Wochenend-Tripp in aufwändigen Dokumentationen minutiös am Rigg schrauben sollt. Vielmehr gilt es, sensibel dafür zu sein, was passiert, wenn bei viel Wind zu wenig Spannung im Rigg herrscht.

Insbesondere bei auf Fahrtenyachten sehr beliebten 7/8 oder 9/10 Riggs führt eine mangelhafte Grundspannung im Rigg dazu, dass das Vorstag zu stark durchhängt und sowohl das Vorsegel als auch das Großsegel zu voll werden, sprich das Profil zu tief wird. Ein zu loses Vorstag macht euch darüber hinaus das Kreuzen schwer, ist es doch gerade bei böigem Wind auf flachem Wasser schwer, die Windkante zu finden.

Also: Steht ein Törn bei viel Wind an kann es sich lohnen, das Vorstag fester zu drehen um bei gefeilten Salingen die Grundspannung im Rigg zu erhöhen.

Wer später refft fährt länger schnell?

Mit Nichten! Klar, auch hier rümpfen Regattasegler vlt. die Nase: „Reffen? Was soll das denn?“ Ganz einfach: Ein vernünftig eingebundenes Reff senkt beim Cruisen nicht nur den Stresspegel, sondern kann auch die Lebenszeit des Großsegels verlängern. Denn was im Überlastbereich an der Kreuz passiert ist folgendes: Der durch Groß- und Vorsegel generierte Druck erzeugt Vortrieb. Wird der Druck größer als der mögliche Vortrieb (i.e. Rumpfgeschwindigkeit erreicht), steigt der Druck im Schiff ohne nennenswerten Zugewinn an Geschwindigkeit. Die Folge: starke Krängung belastet Crew und Material. Um der Krängung entgegen zu wirken und somit den überschüssigen Druck loszuwerden kann entweder die Schot gefiert werden, was zu einem schlagen Großsegels führt, ober aber die Fläche reduziert werden.

Reffen
Ein sauber eingebundenes Reff macht das Leben bei viel Wind leichter.

Ihr seht also: Ab einem bestimmten Bereich sorgt die zusätzliche Fläche des vollen Großsegels im Vergleich zum gerefften Großsegel nur noch für Krängung. Das Segel schlägt und leidet während das gerefft segelnde Schwesterschiff entspannt in Lee vorbeifährt.

Sauber gerefft fährt besser

Wichtig ist es, dass beim Einbinden des Reffs einige Grundsätze berücksichtigt werden. Insbesondere die Liekspannung in Vor- und Unterliek sind kritisch für die Qualität des eingebundenen Reffs. Mangelt es an Spannung in den Lieken wird das gereffte Segel zu tief und leidet nicht nur, sondern sorgt auch für keine Besserung. Deshalb: Beim Reffen erst das Vorliek ordentlich durchsetzen und dann über die Reffleine das „Unterliek“ entsprechend stramm ziehen bis die Reffkausch an ihrem vorgesehenen Platz ist.